Dienstag, 14. August 2012

plus ein tapferes Schneiderlein und einen Huskymän

viel ist passiert hier im Niemandsland! Wir haben unsere Habseligkeiten etwas zusammengerafft, denn nun teilen wir uns unser kleines Häuschen mit Alexandra, die ein Praktikum im Schneideratelier absolviert. Ja, auf unserer Huskyfarm gibts auch ein Schneideratelier. Unsere Chefin ist nämlich gelernte Schneiderin und näht die Schlittensäcke, die Halsbänder und die Gestältchen der Hunde gleich selbst. Praktisch, nicht? ;) Unsere neue Mitbewohnerin ist super, sie ist für jeden Ausflug zu haben und daher sind wir jetzt noch viel mehr unterwegs.
Alexandra-das tapfere Schneiderlein
Zum Beispiel ins Samencenter, wo uns die 'Ureinwohner' Lapplands in ihr Handwerk, die Rentierzucht einweihten. So nahe kommt man sonst nicht an Rentiere ran, obwohl sie oft am Strassenrand grasen und man sie vom Auto aus schön beobachten kann. Der Rentierzüchter hat sogar extra ein Kälbchen eingefangen, dass wir dann kurz streicheln durften. Sooooo flauschig!! Und dann hat er noch etwas erzählt, das wir fast nicht glauben konnten (und zuerst als Touristengag abgetan hatten): Die Rentiere formen ihr Geweih mit Hilfe ihrer Hinterbeine. (!!) Klingt unglaublich, oder? Aber siehe da, das (anscheinend gut trainierte :D) Rentier zeigte kurzdarauf jene Körperverrenkung, die soeben beschrieben wurde. Und wirklich, bei genauem Nachfragen erklärte uns der gute Herr, dass dort am Hinterbein eine Drüse sitzt, deren Sektret die Geweihenden einreibt und dieser Hormoncocktail beschleunigt dann das Wachstum der Geweihstangen!

Faszinierend, nicht?! Genau so beeindruckt waren wir von seinen Lassokünsten. Mit ihrer Seilfertigkeit fangen die Züchter im Herbst ihre Tiere ein um sie zu markieren oder auszusortieren (und zur Schlachtbank zu führen). Wir wurden noch in der Kota (traditionelle Samenhütte) bekocht und erfuhren etwas über die Geister des Samen. Dass beispielsweise eine Göttin im Feuer wohnt und eine in der Tür. Und dass man niemals auf die Kiste sitzen darf, die hinter dem Feuer steht, ausser man habe zuvor einen Bären erlegt (was wir nicht vorzuweisen hatten und uns daher demütig auf den Boden setzten).

Der Sommer hält an und verwöhnt uns mit warmen Temperaturen! Wir geniessen die Wochenende im Liegestuhl und haben nun schon öfters unsere Badtunna, den riesen Badetopf eingefeuert! Auf dem Hof ist noch ein weiterer Arbeiter hinzugestossen, Päde, ein Wiederholungstäter. Er hat schon (mit längeren und kürzeren Unterbrüchen) zweieinhalb Jahre hier auf der Huskyfarm gearbeitet und unterstützt Peter beim Umbau der Zwinger. Ein neues Tierschutzgesetz verlangt mehr Platz sowie isolierte, grössere Hütten für die Hunde (als ob die nicht genug Winterfell hätten....). Auf jeden Fall arbeiten die zwei jetzt (ganz zur Unterhaltung der Hunde) am Zwinger und bauen nun schon bald das Dach.

Bei all diesen Neuzugängern hat sich auch the one and only Tschili hierher gewagt! Er und sein Bruder sind auf ihrer Schwedenreise auf ein Wochenende zu uns nach Storberg gekommen. Es war fantastisches Sommerwetter und wir machten uns zu sechst auf, mit dem historischen Dampfzug eine Runde zu drehen! Ein Interessenverein in Arvidsjaur wartet und fährt die alte Dampflokomotive jeden Sommer für einige Stündchen aus. Ein Zwischenhalt am Strand, Musik aus dem Grammophon (!), bereits geschnitzte Stecken um die Würste zu bräteln und wir hatten einen perfekten Samstagabend in Lappland. Es war herrlich, einfach in den alten Bahnwagen zu sitzen und aus dem Fester zu schauen. Die Aufregung, die durch den Zug ging und alles am Fenster hing, legte sich rasch, als sich der vermeintliche Elch am Waldrand als langweiligen Kranich entpuppte :D


Dann war noch eine supernette Familie hier zu Gast, sie paddelten in zwei Tagen die vier Seen ab (und hatten zum Glück weniger Wellen als Peter und ich) und waren soo begeistert von der Landschaft hier! Und wir merkten in diesem Moment, wie schnell man sich an etwas gewöhnt! Dank den fröhlichen Gästen und ihrer positiven Grundeinstellung erinnerten wir uns daran, dass wir in einer Postkarte leben. Wir durften soger abends mit, als sie auf Bibersafari fuhren, auf Nachbars Partyfloss. Die Abendstimmung war fantastisch, jetzt wird es bei uns ja auch wieder etwas dunkel, der Himmel färbte sich violett und als sich ein schneeweisses Rentier am Seeufer zeigte, war die Märchenkulisse perfekt.

Obwohl wir mit dem Floss den Flussarm bis zur Biberburg hochpaddelten, liessen sich keine Biber blicken, aber als die Famile auf der Rückfahrt noch ihre Fischerruten ins Wasser hielten, fing die Tochter (Vegetarierin nota bene) mit den Worten "Ich ha gloub ä Fisch dra! Scheisse, ha doch gar kene wellä fah!" einen Hecht!

Mittwoch, 18. Juli 2012

Ausflug nach Sorsele

Am Wochenende gings mit dem Auto, wie immer hinaus um Lappland zu erkunden...


Sorsele ist etwa 75km weit entfernt, also ganz in der Nähe. Ja, was gibt es nun in Sorsele zu sehen? Eigentlich nicht wirklich extrem viel. Es gibt ein Museum zur Inlandsbanan. Dies ist eine Bahn (etwas traditionell) die von Mittelschweden (Mora) bis weit in den Norden (Gällivare) führt. Früher startete sie ganz im Süden von Schweden. Heute ist dies ein Touristenzug, Güter werden auch noch transportiert. Da waren wir natürlich auch da, als der Zug ankam.


Im Museum gab es ganz vieles zu sehen, hier ein paar Bilder.

Holzervelo

Telefonöse


Kondukteuse


Am Billete abstempeln


Das Logo der Inlandsbana

Dann trafen wir noch ein paar Tiere und lustige Häuser...



Mittwoch, 11. Juli 2012

Am Polarkreis

Unsere Thermometer schaffen mittlerweile zwischendurch die 20 grad Grenze, so haben wir unsere Mittags- und Znachttisch nach draussen verlegt. Aber nun zum Polarkreis:
Am Wochenende waren wir in Jokkmokk (150 km nördlich von hier), das liegt etwas über dem Polarkreis, aber nur sehr wenig. Da der Polarkreis in einer Wellenlinie etwas schwankt liegt es wahrscheinlich manchmal auch unter dem Polarkreis. In welcher Zeit das geschieht weiss ich grad nicht mehr, bin da nicht so der Astronomieprofessor. Jedenfalls ist Jokkmokk ein ganz schmuckes Städchen.

Kirche in Jokkmokk

In Jokkmokk ist das sogenannte Samencenter. Die Samen sind die Ureinwohner Skandinaviens, wie etwa die Indianer es waren in Amerika.  Die Samis ist jedoch noch sehr intakt. Nur sie dürfen hier Rentiere züchten. Neben den Rentieren gibt es noch viel Kultur, eine eigene Sprache, Handwerk, Traditionen und Glauben das sie immer noch pflegen. Sie sind in Schweden, Norwegen, Finnland und Russland. Die Samis mussten sich jedoch sehr stark wehren, dass sie in der Industriealisierungszeit nicht überrollt und "abgeschafft" wurden. Die Schweden im Süden reden daher nicht sehr oft von ihnen und finden sie eher doof. Habe in Falun jedenfalls noch nie jemanden von ihrem Urvolk reden hören. Falls ihr etwas mehr wissen wollt liefert Wikipedia bestimmt was.
Das Samencenter (so sage ich dem mal) ist eigentlich ein schönes Museum und die gleich daneben liegende Samenschule. Das Museum ist spannend, sogar ich habe es zwei Stunden darin augehalten. In der Schule wird das alte Handwerk und auch die Sprache gelehrt.

samische Kleidung

So waren wir am Wochenende in Jokkmokk und haben neben den Sami noch sehr fein Znacht gegessen, waren im speziellen nordischen Pflanzengarten und haben uns ein Bädi im See gegönnt.



Auf dem Weg nach Jokkmokk hatten wir zudem noch eine etwas schrullige Begegnung. Kurz vor Jokkmokk, der Kofeinspiegel war etwas tief, da kam uns das Schild auf dem "Messermacher/Kaffee" stand gerade richtig. Wir bogen ab und holperten auf der Strasse durch den Wald. 10 minuten später kamen wir an einen alten, kleinen Bahnhof mit lauter Elchschädel am Boden davor liegend, einer hatte sogar noch etwas Fell dran. Wir folgten den Schildern rund ums Haus. Da öffnete sich die Tür. Ein etwas älterer Mannn stand da. Er stand nur da und schaute uns an, sagte aber nichts. Nach einer kurzen Pausen dachten wir uns, wir gehen jetzt da rein, da gibts Kaffee und Messer. Er liess uns passieren, sass auf seinen Stuhl in der Ecke uns sagte nur ganz leise in seinem deutschen Akzent: "Hab grad gepennt!" Wir waren etwas verdutzt waren uns aber schnell klar, dass es hier kein Kaffee geben wird. So Smalltalkten wir etwas und verliessen die Mückenumschwärmte, heisse Bude bald wieder.

Mittwoch, 4. Juli 2012

Der Sommer ist da!!!!!

Bei uns ist mittlerweilen schon ganz schön Sommer!! Endlich ist es warm und alles ist voll mit Blumen. Heute war es an die 20 grad warm, die Aussichten versprechen gutes, dass es so bleibt. Das Gras ist mittlerweilen schon so lang, dass Corni die letzen beiden Tage mit dem Rasenmäher ums Gelände geflitzt ist. Mit dem schönen Wetter sind auch unsere neuen Freunde - DIE MÜCKEN - da! Antibrumm (hier heisst es Mygga) hilft aber ganz gut. Deshalb werden zur Zeit auch Mückennetze, und diverse Gegenmittel gekauft.
Letzen Samstag hatten wir noch einen Platten am Auto. Zum guten Glück ist alles auf dem Parkplatz passiert. Wir fuhren los, aber diese Waldstrasse kann ja nicht so holprig sein! Ups platt!! Das Ventil war kaputt. Ein Freund der Familie hier hat aber alle nötigen Maschinen um so ein Ventil zu wechseln. Gehört einfach in eine Werkstatt so eine Maschine. Mittlerweilen alles wieder paletti!

Hier noch einige Bilder vom Badestrand von Storberg (vor etwa drei Wochen, da wars noch etwas frischer)



Dienstag, 26. Juni 2012

Midsommarwochenende

Letzen Freitag war der grosse schwedische Feiertag. Midsommar! Das ist dieses Fest bei dem die Schweden den Sommer feiern. Man trifft sich auf dem Dorfplatz (idealerweise) und stellt die Stange auf. Danach wir mit Musik getanzt und gesungen. Natürlich gibt es Kaffe und Kuchen, Spiele für die Kinder und viele Leute. Danach fahren alle mit ihren Familen nach Hause oder in ein Sommerhaus und feiern dort mit einem traditionellen Essen weiter. Grundsätzlich ist dies ein Familienfest. Frische Kartoffeln sind zu dieser Zeit in ganz Schweden ausverkauft (kein Witz!!). Meistens wird dann auch sehr viel getrunken. Bei uns auf dem Hof gibt es nicht so viel schwedische Tradition, aber wir haben von unserem Chef frei bekommen und fuhren am Nachmittag nach Arvidsjaur um bei den Festlichkeiten dabei zu sein. Chefin Simone kam dann auch noch mit der kleinen Ronja und dem noch kleineren Luis. Das Fest war nicht so gross wie jenes das wir in Falun erlebt hatten, war aber dennoch schön. Das Wetter war perfekt. Viel Sonne und warm.



Am Samstag stachen wir trotz etwas Wind in See, im Kopf hatten wir eine zweitägige Kanutour. Direkt vor dem Haus gestartet kommt man via ein Seensystem zurück zum Startpunkt in Storberg. Eine schöne Tour!
10 Minuten auf dem See nahm der Wind zu und es schäumte schon. Nach einer Schaukelfahrt Richtung Ausfluss des Sees mussten wir eine Pause einlegen. Sogar die föhngewohnte Urnerin an Bord fand es etwas unangenehm. Wir mussten eigentlich nur noch quer über den halben See, jedoch auch quer zum starken Wind. Etwas kipplig, würde da ein Kanuspezialist sagen. Am Ufer vergnügten wir uns mit Spielen und leerten das Wasser aus unserem Kanu. Nachdem der Wind etwas nachgelassen hatte, wateten wir mit aufgekrempelten Hosen mit dem Kanu im Schlelpptau dem Ufer entlang. Am Ausfluss angekommen liessen wir uns in Fahrtrichtung treiben. Der kommende Weg führte durch kleinere Seen und Verbindungsflüsschen, da hatte der Wind nicht mehr soviel Angriffsfläche und es war sehr gemütlich zum paddeln, sogar mit etwas Rückenwind.



Irgendwann am Abend (dunkel wirds ja nicht mehr) suchten wir uns ein gemütliches Pläztchen und grillierten auf Cornis Feuertopf Würscht und Mais. Die Mücken kamen auch noch, zum Glück hatten wir an unsere Mückenpariser gedacht.



 
Wir hofften, dass sich der Wind auf den Sonntag drehen würden, tat er aber nicht. So hatten wir halt Gegenwind. Die Seen wurden wieder grösser, somit auch die Wellen. Der Wind hatte sich auch für den Sonntag einbisschen was vorgenommen. Bei der Fahrt in den zweiten See hatten wir Gegenströmung und der Wind kam wieder so richtig auf. Resultat: Spielstunde am Ufer.


Nachdem der Wind wieder abgenommen hatte ging die Fahrt weiter. Durch zwei weitere Seen war uns der Wind relativ gut gesonnen und wir erreichten die letze Umtragstelle ohne eine Überanstrengen. Das Umtragen war im dichten Wald mit vielen, vielen stechfreudigen Mücken eher eine Tortour. Nach zwei, drei Ausrufen in den Wald gings bald weiter. Wir waren eigentlich nur noch einige Paddelschläge vom Heimatsee entfernt. Mit etwas Wind im Gesicht kamen wir in Storberg an. Es ist schon extrem super, wenn man einfach zum Haus raus kann um zwei Tage zu paddeln. Genau das, geniessen wir hier in Lappland.

Die Blumen sind jetzt auch da und unserem Troll sind grüne Haare gewachsen. (siehe oben rechts)

Mittwoch, 20. Juni 2012

Tageswerk

Heute konnten wir mal gemeinsam arbeiten. Corni musste mir helfen, da ich ein Gerüst stellen  musste. Dazu haben wir zwei bäume gefällt, sie aus dem Wald getragen. Mit den Bäumen und einigen Brettern gabs dann dieses Gerüst. Wir sind uns jetzt wieder bewusster, dass frischgeschlagenes Holz eher schwer ist.


Montag, 18. Juni 2012

Sommer an der Küste: Piteå!


Weil wir etwas ungeduldig sind und nicht mehr auf den Sommer warten
wollten, sind wir dieses Wochende an die Küste gefahren. Das schmucke Städtchen Piteå hat uns voll verzaubert: Schöne Gässchen, kreative Geschäfte, Strassenmusik. Wir haben es genossen, einfach etwas rumzuschlendern, durch den Flohmarkt im Park, die Fussgängerzone, den Strand. Und es hat uns unglaublich gut getan, wieder mal so viele Menschen auf einem Haufen zu sehen! Eine willkommene Abwechslung zu unserem Alltag in der Abgeschiedenheit. Vorallem aber haben wir den Sommer in uns aufgesaugt. Die paar Breitengrade und die Nähe zum Meer geben der Natur in Piteå nämlich einige Wochen Vorsprung im Vergleich mit Arvidsjaur. Alles war so grün und blühte!! Sooo schön!!


Am Sonntag war es leider nicht gerade Badewetter, also spazierten wir am Strand, anstatt im Meer zu baden. Aber wir haben uns fest vorgenommen, bei besserer Witterung wieder nach Piteå zu fahren und uns Mini-Bade-Ferien zu gönnen. Ist doch fantastisch, das dies in unseren Breitengraden überhaupt noch möglich ist, oder?!

Wie haben dann noch ein herziges kleines Dorf entdeckt, in dem altes Handwerk betriegen wird. Eine Art Ballenberg. Alles sehr gepflegt und spannend erklärt. Wir haben alles erkundet und unsere jeweilige Lieblingsstelle entdeckt. Ein wunderbares Wochenende!